Weiß

Ich gehe bedächtig durch den Schnee, den Blick auf meine Füße gerichtet. Jeder Schritt ein leises Knirschen im Rhythmus meiner Bewegungen, ihr Klang verliert sich in der Weite. Kein Widerhall ertönt aus der Ferne, der Ton wird verschluckt von dem wirbelnden Weiß um mich herum. Nebel und Schnee verdichten sich zu einer einheitlichen Masse, die Nähe und Distanz bedeutungslos werden lässt, es gibt keine Perspektive, keine Weite, nur Weiß. Allein der Boden unter meinen Füßen gibt mir ein Gefühl von oben und unten, doch auch er entschwindet hinter dem Radius meiner Sinne und zerfließt in Raum, es gibt keinen Horizont, keinen Himmel, nur Weiß.

Ich weiss nicht, wie lange ich schon laufe. Meine Zeitwahrnehmung kennt nur den Takt meiner Schritte, das Knacken und Knirschen des Schnees. Diese Regelmäßigkeit beruhigt mich.

Ich blicke auf den Boden, sehe die Spuren im Schnee, wie sie sich zu meinem Lauf gesellen und mir für eine Weile lang folgen, um dann wieder ihren eigenen Weg zu gehen. Auch ich folge ihnen, beobachte ihren Fluss, die Biegungen, das Spiel der Spuren. Mal finden sie zusammen, laufen parallel, um sich sodann wieder voneinander zu entfernen oder zu kreuzen.

Wessen Spuren das wohl sind? Ich kann es nicht erahnen. In der weißen Stille, die mich umgibt, müssen wohl unzählige Menschen umher wandern und ihre Spuren in den Boden drucken. Begegnet bin ich hier noch niemandem. Vielleicht sind all diese Spuren auch meine eigenen, wer weiss?

Welchen Unterschied würde es machen?