Das Konstrukt

Teil Eins

in meinem Gedankengebäude ist kein Platz für ungeladene Gäste
kehr die Reste von dem Fest der Phantasie auf einen Haufen
verbrenn sie und beobachte wie Schall und Rauch emporsteigen
das Himmelszelt hält zurück was niemals tragbar war

verschwomme Empfindungen dringen drückend
aus meinem beklommenen Inneren
wühlen wütend im Kerker rebellischer Erinnerungen
Insassen an viel zu kurzen Ketten klettern die Treppen herauf

und sie rütteln unerschütterlich am losen Fundament
zerbrochene Träume festgegossen nun erstarrt in Stahlzement
sie zerrütten meinen Turm aus Obsidian und Elfenbein
Trümmer taumeln nieder reißen diesen Spiegelschleier ein 

Fata Morgana am Horizont endloser Wüste
Grüße aus dem bunten Garten Eden meines Innenlebens 
doch der Apfel fällt zu weit weg vom Stamm, wird verbrannt
entflammt in fokussierter Wirklichkeit


Teil Zwei

verirre mich im wirren Labyrinth das ich einst schuf
Minotaurus klopft mir auf die Schulter mit erlahmtem Huf
jene Geister die ich rief kappten meinen roten Faden
rohe Taten durchgekaut mit halb aufgetauten Worten

der Architekt des Sinnkonstruktes dem Größenwahn verfallen
der Baumeister von Babels Keller stürzt in seine Hallen
wer Anderen eine Grube gräbt erhebt sich auf dem Aushub
guter Ausblick von den Schwingen der Trubilder meiner Feder

am Himmelsrand erkenne ich den Untergang des Rampenlichts
Menschen klatschen in die Hände gegen Wände ihr Gesicht
das Bühnenbild kollabiert, die Vorstellung zu Ende
Schattenseiten retuschiert, der Vorhang wird gewendet

schau dem Spiel nur durch den Spiegel zu 
erstarrte Reflexion
renne weiter fort von diesem Ort
reiße die Atrappen ein 
im gleißend matten Schein des alten Tages kommt der Ruhestand
Grundstein eines Eigenheims
nirgendwo im Niemandsland

(2014)